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Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Berthold Grzywatz


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Erzählungen vom Ich

Chiffren Nr. 1

Erzählungen vom Ich.

Skulpturen

 

Einzelausstellung – Kassel – Südstadt-Galerie, 2012

 

 

 

Berthold Grzywatz

Die Skulptur als Chiffre

 

Im Mittelpunkt meiner künstlerischen Arbeit steht allgemein  das menschliche Ich, das sich in einer entfremdeten Existenz – sei es nun auf der Ebene persönlicher Beziehungen, sei es im Bereich gesellschaftlichen Seins – zu orientieren und die eigene Identität zu wahren sucht. Ich-Erfahrung und gesellschaftliche Wahrnehmung sind dabei stets durch Differenzen charakterisiert, die es nicht zulassen, dass sich das Ich selbst findet und seine Verletzbarkeit mitteilen kann.

 

Die Realität der Verletzbarkeit erweist sich als eine Bedrohung, die dem Bedürfnis nach Nähe und Bindung stets entgegenwirkt und das Ich in die Leere treibt, die letztlich nur durch Episoden erfüllenden Erlebens in Beziehungen oder Gemeinschaften unterbrochen wird. Hoffnung bleibt in dieser Situation nur durch das Vergessen, das eine eigene Dynamik des Handelns auf den Weg bringt.

 

Die Wirkungen des Vergessens sind indessen vielschichtig, da es auch politische Prozesse einschließt, die nicht als abgeschlossen hingenommen werden können. Gleichwohl sollte die Erinnerung nicht zum traumatischen Begleiter des Ichs werden, die alle Erfahrungen einschnürt, denn Verantwortung ist nicht nur ein Reflex auf schwer zu ertragendes Vergangenes, sondern auch Verpflichtung gegenüber dem Gegenwärtigen, in dem sich Wünsche, Hoffnungen, Bedürfnisse, Ziele und Träume einstellen und nach Konkretion suchen.

Chiffren Nr. 2

Die Vielgestaltigkeit individueller Existenz wird in dieser grundlegenden Situation als Gefahrenmoment empfunden, da das Ich jede Form des „naiven“ Erlebens verloren hat und die Komplexität menschlicher Beziehungen schon immer mitdenkt – wenn auch häufig in unbewusster Weise – und in seine Praxis einbindet.

 

Das Überschreiten der persönlichen Sphäre, die Öffnung des Ichs gegenüber dem sozialen Raum mag Strategien zur Überwindung der Leere eröffnen, nur erweist sich dieser Raum als eine verdinglichte Welt mit mannigfaltigen Angeboten – Aufklärung und Fürsorge, Freundschaft und Hilfe, Bedürfnisbefriedigung und Realisation von Träumen, Solidarität und Ideologien -, die die Fragilität des Ichs potenzieren. Zumal in einer Wirklichkeit, die Grunddefinitionen des Seins wie Raum und Zeit aufzugeben scheint, und die Grenze zwischen Leben und Erleben nicht mehr zu erkennen gibt. Die fehlende Distanz zwischen Sehen und Erkennen, zwischen Wahrnehmen und Bewusstsein, der Verlust des individuellen Erfahrungsraums nimmt dem Ich möglicherweise letzte Konturen, die unterdessen das Ich – und das mag tröstlich sein – auf seine Leidensfähigkeit zurückwerfen.

Chiffren Nr. 3

Die Skulptur  verstehe ich als Chiffre, die Sinnlich-Fassbares und Gedankliches zu einer untrennbaren Einheit verschmilzt. Aber nicht im Sinne einer allgemeinen Zugänglichkeit oder gar einer Anschauung von Wirklichem, sondern als subjektive Empfindung, die sich in einer sinnentleerten Welt neue Bedeutungen zu verschaffen sucht. Der Betrachter kann an dieser Welt teilhaben, wenn er sich auf das durch Material und Form entwickelte Bildwerk und auf die Vielfalt seiner möglichen Assoziationen einlässt.

 

Ciffren Nr. 4

Berthold Grzywatz
Sculpture as a cipher

 

The focus of my artistic work is generally the human ego, which seeks to orient itself in an alienated existence - be it on the level of personal relationships or in the realm of social being - and to preserve its own identity. The experience of the self and social perception are always characterised by differences that do not allow the self to find itself and to communicate its vulnerability.


The reality of vulnerability proves to be a threat that always counteracts the need for closeness and attachment and drives the ego into emptiness, which is ultimately only interrupted by episodes of fulfilling experience in relationships or communities. Hope remains in this situation only through forgetting, which sets its own dynamic of action in motion.


The effects of forgetting, however, are complex, as it also includes political processes that cannot be accepted as completed. Nevertheless, memory should not become a traumatic companion of the ego, constricting all experiences, because responsibility is not only a reflex to the past that is difficult to bear, but also an obligation towards the present, in which desires, hopes, needs, goals and dreams arise and seek concretisation.


The multiformity of individual existence is perceived as a moment of danger in this fundamental situation, since the ego has lost any form of "naïve" experience and has always thought along with the complexity of human relationships - albeit often in an unconscious way - and incorporates it into its practice.

 

The transgression of the personal sphere, the opening of the ego to the social space may open up strategies for overcoming emptiness, but this space proves to be a reified world with manifold offers - enlightenment and care, friendship and help, satisfaction of needs and realisation of dreams, solidarity and ideologies - which increase the fragility of the ego. Especially in a reality that seems to abandon basic definitions of being such as space and time, and no longer recognises the boundary between life and experience. The lack of distance between seeing and recognising, between perceiving and consciousness, the loss of the individual space of experience possibly takes away the last contours of the ego, which meanwhile - and this may be comforting - throws the ego back to its capacity for suffering.


I understand the sculpture as a cipher that fuses the sensual-tangible and the mental into an inseparable unity. But not in the sense of a general accessibility or even a view of what is real, but as a subjective sensation that seeks to create new meanings in a world devoid of meaning. The viewer can participate in this world if he lets himself be drawn into the pictorial work developed through material and form and into the diversity of its possible associations.

 

Chiffren Nr. 5
Chiffren Nr. 6
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