Hier finden Sie mich

Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Berthold Grzywatz


Telefon: 0152 069 344 31

            04331 / 33 99 510

 

Berthold.Grzywatz@gmx.de

 

Mitglied im BBK Kassel-Nordhessen

Mitglied im BBK Schleswig-

Holstein

Mitglied Kulturnetz Region Rendsburg

Mitglied der VG Wort

Mitglied der VG Bild-Kunst

 

Kontakt

Nutzen Sie mein Kontaktformular

Kontaktformular.


Ghostwriter Masterarbeit

 

Der Nachdruck oder die Weiterleitung von Texten und Fotos an Dritte darf nur mit der Genehmigung von  Berthold Grzywatz er-folgen. Das Kopieren von Texten und Fotos und ihre Verwendung für eigene Zwecke ist nicht gestattet, insbe-sondere dürfen die Logos zu einzelnen Projekten nicht von Dritten verwendet werden.

 

TRANSIT – VIEWS BETWEEN REMAIN AND PROGRESS

 

Das nicht themengebundene Projekt provoziert eine Inszenierung, mit der die herkömmliche Rezeption bildender Kunst überschritten werden soll. Durch die Auflösung des Analogen soll eine Verunsicherung produziert werden, die zum Transit von Erfahrung wird. Die Kombination von analoger Präsentation, digitaler Transformation und großformatiger öffentlicher Darstellung werden als Mittel dieses Prozesses in Szene gesetzt. Da die Galerie [ Der Lokschuppen ] durch die Förderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Rahmen des „Neustarts Kultur“ über ein digitales Präsentationssystem verfügt, können analoge und digitale Formen gleichzeitig im Raum erlebt werden. Zudem ist die unmittelbare Gegenwart der Künstler*innen und ihrer Werke nicht zwingend notwendig. Die großformatige Darstellung im Außenraum (Großsilo, Hafengebiet Rendsburg) erlaubt im Übrigen das Überschreiten der Intimität geschlossener Präsentationsformate.

 

Beteiligte Künstler: Helga Helmig, Martin Musiol, Jörg Kaminski und Berthold Grzywatz

 

Auf schmalem Grat Nr. 7 - Digital Image Processing Art - Werkbeispiel für die digitale Präsentation

 

 

„Pandemische Katharsis“

Projekt im Rahmen der Kunstmesse Kassel

 

Das Projekt „Pandemische Katharsis“ beinhaltet den Versuch, mit den Mitteln der Skulptur bzw. der Plastik, Fragen und Antworten auf eine Situation zu finden, die durch Desorientierung charakterisiert ist und der Frage der Selbstfindung in der gegenwärtigen Krise nachgeht. Zugleich möchte ich meine bildhauerische Praxis insofern erweitern, als ich als neues Material „Bronze“ wähle und die Qualitäten des Materials gleichsam erkunde und kreativ nutze.

Da alle Werke sollen Sandgussverfahren produziert werden sollen, sind entsprechende Modell herzustellen. Um die Dynamik der Zustände und Situationen des einzelnen, möglicherweise in seiner Existenz verunsicherten Menschen bildnerisch zu erschließen, sollen für Formen und Oberflächen kontrastierende Texturen zwischen Struktur und Ruhe entwickelt werden. Die Oberflächenbehandlung wird schon im Modell angelegt, verschiedene Strahlungsmethoden mit Glas und Edelstahl werden ebenso für eine Vertiefung sorgen wie das strukturelle Nacharbeiten.

 

Thematisch habe ich mich entschlossen, die Werke in einer Art „Kreislauf“ anzulegen, der die Konfrontation mit der Pandemie und deren Konsequenzen im Einzelnen widerspiegelt: nicht in konzeptueller Form, sondern im Wege der Auseinandersetzung mit dem Material und der Formgebung.

 

Sechs Zustände bzw. Situationen sollen den Weg zu einer möglichen, wenngleich immer gefährdeten „Katharsis“ erschließen:

●   Das Unbekannte

  Aus dem Gleichgewicht

   Das Urteil

   Quarantäne

   Gestrandet

   Geläutert.

"Das Unbekannte" - Entwurf
"Aus dem Gleichgewicht" - Entwurf
"Das Urteil" - Entwurf
"Quarantäne" - Entwurf
"Gestrandet" - Entwurf
"Geläutert" - Entwurf

 

Nature' End

 

Einreichung zum Ideen-Wettbewerb „Kultur im Botanischen Garten“ - Christan-Albrechts-Universität Kiel 

Digitale Präsentation – Laserprojektion mit Klang

 

Das Projekt soll im Wege der Digital Image Processing Art Bildfolgen inszenieren, die als Video bzw. Film montiert und musikalisch unterlegt sind. Thematisch wird mit dem Titel eine freie Assoziation angesprochen, die den Umgang mit Natur transzendiert.

Mit Hilfe einer Laserprojektion sollen die Filme im Außenbereich des Botanischen Gartens präsentiert werden. Die Landschaft des Gartens (Hintergründe, Strukturen) wird dabei die Wahrnehmung der Inszenierung unterstützen. Ausgangspunkt der Bilder sind Landschaften, natürliche und künstlerische Objekte, die durch Verfremdung, Sequentierung, Detaillierung, Stilisierung und Variierung einen räumlich-visuellen Kontext eruieren, in dem sich die Wahrnehmung komplexer Bilder ebenso rational und intuitiv wie abstrakt und konkret entfaltet. Zugleich wird zwischen Analogem und Digitalem vermittelt.

 

Zur technischen Realisierung bedarf es eines leistungsstarken Lasers mit der notwendigen digitalen Infrastruktur und einer wetterfesten Leinwand, die vor einem „Greenwall“ im Garten positioniert wird. Der „Greenwall“ bildet den Rahmen bzw. Hintergrund für die außerordentlich kräftigen Farben der Bilder. Durch eine entsprechende Positionierung der Lautsprecheranlage kann eine Art „Surround-Effekt“ erzeugt werden, mit der die Wahrnehmung im Zusammenklang mit der Natur des Gartens und den intensiven Bildfolgen der Projektion eine meditative Dimension erhält.

 

Nature's End Nr. 1 - Digital Image Processing Art

 

Projekt „Sisyphos“

 

Das Projekt „Sisyphos“ greift den Mythos vom ewigen Neubeginn menschlichen Seins auf. Es soll später Grundlage einer kreativen digitalen Präsentationsform werden soll. Das Projekt verlangt einen hohen Materialaufwand: Holz, Edelstahl, eloxiertes Aluminium und Speziallacke werden in einer spannungsreichen Kombination angeordnet.

 

Drei Werke stehen dabei stehen drei Werke in der Bearbeitung: einerseits die Installation „Raum für Hoffnung“, andererseits die Skulpturen „Im Räderwerk“ sowie „Scheitern und Gelingen“.  Die Installation konfrontiert die natürliche, wenn auch verfremdete Form des Holzes mit einer geometrischen Anordnung von Stahlelementen; die erste Skulptur stellt in komplexer Weise eine Durchdringung der Materialien Holz, Edelstahl und Aluminium her, während für das abschließende Werk ein Arrangement aus gelaserten Edelstahlteilen vorgesehen ist.

 

Inhaltlich thematisiert das Projekt die Diskrepanz zwischen Ich und Welt bzw. dem Glücksverlangen des Menschen und dessen Grenzen angesichts der Faktizität der gegebenen Welt. Der „Raum für Hoffnung“ reflektiert die Ausgangssituation des menschlichen Daseins: Die freie Gestaltung als geschichtliche Option, deren Zeitgemäßheit jedoch permanent erfahrbar wird. Das Werk „Im Räderwerk“ interpretiert die Situation des auf sich selbst zurückgeworfenen Individuums, das den Horizont der dinghaften Welt im Handeln gegen diese Welt und dabei die eigene Ohnmacht erfährt, ohne dieser zu erliegen. Die Skulptur „Scheitern und Gelingen“ möchte gegenüber der Resignation vor der Irrationalität eines technologisch bestimmten Seins zum Ausdruck bringen, das im Abwägen von Alternativen in der Zeit verantwortliches Handeln möglich ist.  

Ideenentwurf zur Skulptur "Im Räderwerk"
Das Räderwerk Nr. 3 - Digital Image Processing Art

 

Berthold Grzywatz

„Höhlen gibt es in meinem Inneren“.

Vom Umgang mit dem Unbewussten in der Pandemie.

Ein skulpturaler Versuch

 

Der im Thema aktualisierte Gedanke des englischen Romantikers William Wordsworth will in zusprechender Weise die Macht des Unbewussten in der menschlichen Psyche umschreiben. Heute gehört es zum Allgemeingut psychischer Erkenntnis, dass das Unbewusste unser Verhalten und Handeln beeinflusst, ohne einer stets nachvollziehbaren Logik unterworfen zu sein. Wer war nicht verwundert, als in der heraufziehenden Pandemie das Horten um sich griff und plötzlich die banalsten Dinge nicht mehr greifbar waren.

 

In einem Werkzyklus, der sich auf einzelne plastische Werke, auf insgesamt sieben Arbeiten erstrecken soll, möchte ich mich mit den Mittel des Bildhauers dem Phänomen des Unbewussten in der pandemischen Krise mit den Mitteln des Bildhauers nähern. Selbstverständlich geht es nicht um einen Erklärungsversuch, sondern um ein bildliches Aufschließen, mit dem Ziel, die Dynamik des Unbewussten situativ zu reflektieren.

 

Der gewählte zentrale Werkstoff des Zyklus soll Holz sein. Bei der Formgebung wird einerseits die Beschaffenheit seiner natürlichen Oberflächen als Mittel eingesetzt, andererseits seine biomorphe Struktur im Wege der Verfremdung genutzt. Begleitender Werkstoff wird Metall (Stahl, Aluminium) sein; ebenso als Gerüstgeber und Basis wie in der Verschmelzung mit dem Material Holz durch eine vereinheitlichende Farbgebung.

 

Die Skulpturen werden unterschiedliche Größen haben: von der stark gegliederten Kleinplastik über das flächiger angelegte Mittelformat bis zur großformatigen Montage.

 

Skulptur "Das Unbewusste" - Frontteil der Holzelemente
Das Unbewusste Nr. 43 - Digital Image Processing Art

 

 

Berthold Grzywatz -  "Krise und Ich"

 

Gefördert durch den Landeskulturverband Schleswig-Holstein

(Modellentwicklung)

 

Unter dem obigen Titel soll ein Zyklus von Arbeiten hergestellt werden, der sich mit Identitätsverlust und Orientierungsversuchen des Einzelnen in Zeiten einer gesellschaftlichen Krise auseinandersetzt. Unsicherheit und Leitbildsuche stellen die Pole eixistentieller Ungewissheit dar.

 

Die einzelnen Werke sollen auf der Materialgrundlage von Holz, Acrylat und Lack als plastische Modelle hergestellt werden. Im Sandgussverfahren werden dann die endgültigen Formen ausgeführt.

Projektiert sind neun Plastiken, die einen inhaltlichen Bogen spannen sollen, um das Krisenerlebnis nach innen und außen erfahrbar zu machen. die Werke haben unterschiedliche Größen zwischen 70 und 150 cm.

 

Thematisches Programm:

 

  1.   niemals ich

  2.   gegen den wind

  3.   in die andere richtung

  4.   nur keine faxen

  5.   entstellung

  6.   ohne leitbild

  7.   anlauf

  8.   linkskurve

  9.   immer ich 

Entwurf "Nur keine Faxen" - Ausführung in Bronze und Edelstahl geplant

 

 

Aus der Werkstatt:

 

Bildliche Darstellung der Entwürfee zum Werkzyklus „Krise und Ich“ in Front- und Rückansicht

 

 

1. Entwürfe in Frontansicht

 

 

2. Entwürfe in Rückansicht 

 

 

 

Sämtliche Modelle wurden auf der Materialbasis von Holz unterschiedlicher Provenienz, Spachtelmasse, Acrylat und Lack hergestellt. In der dargestellten Form sind die Modelle für das Sandgussverfahren vorbereitet. Ob sich alle Modelle ohne weitere Eingriffe gießen lassen, muss in der Gießerei erörtert werden.

 

 

 

Arbeitsplan zum Herstellungsverfahren mit Materi-aldifferenzierung und Anmerkungen zum Herstel-lungsprozess

 

 

Herstellung der Modelle

 

Das Herstellen der Modelle für die Plastiken, die später im Sandgussverfahren gegossen werden sollen, erfolgt auf der Materialbasis von Holz, Spachtelmasse sowie Acrylat als weitere Modellierungsmaterial und Lack. Den Oberflächen der einzelnen Formen erhalten eine kontrastierende Textur zwischen Strukturgebung und geschlossener Fläche. Die Endbehandlung der Flächen mit Lack dient der Entwicklung einer relativ geschlossenen Oberfläche in allen Bereichen.

 

 

Materialwahl

 

Generell sind für die Werke die Materialien Aluminium, Bronze und Edelstahl vorgesehen. .

Die kleineren Plastiken "Anlauf" und "Nur keine Faxen" sollen in Bronze ausgeführt werden. Da geplant ist, sie in einer erhabenen Stellung zu präsentieren, kommen Basen in Bronze nicht in Frage. Vielmehr werden die Bronzegüsse auf Edelstahlstäben in einer Höhe von ca. 150 cm positioniert und über zu schneidende Gewinde miteinander verbunden. Als Basen werden dann Edelstahlplatten genommen, die in einem Winkel von 45° abgekantet werden, um den Werken einen sicheren Stand zu geben.

 

 

Vorbereitung des Gießverfahrens

 

Als Kooperationspartner für das Gießverfahren wurde ein Metallbetrieb in Nordhessen (Liebenau) gewählt, der auf differenzierte Erfahrungen im Kunstguss verweisen kann. Nach dem Transport der Modelle aus meinem Atelier in Rendsburg muss in Absprache mit der Gießerei geklärt werden, ob alle Werke in einem Guss gefertigt werden können. Nach ersten Sondierungen ist schon deutlich, dass insbesondere sechs Werke nur in mehreren Teilen gegossen werden können. Das Zerlegen der Modelle in einzelne Teile kann nur vom Künstler vorgenommen werden, so dass ich vor dem Gießen vor Ort sein muss.

 

 

Nachbereitung des Gießverfahrens

 

 Nach dem Gießen müssen die zerlegten Einzelteile im WIG-Verfahren wieder zusammengeschweißt werden und die Schweißnähte geputzt werden. Um eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten, ist eine erstes Strahlen der Oberflächen erforderlich, das von einem Unternehmen für Oberflächentechnik in Rendsburg vorgenommen wird. Da feine helle Oberflächen erzielt werden sollen, ist eine Bestrahlung mit Glas notwendig.

 

 

Endfertigung der plastischen Werke

 

Nach dem Strahlen beginnt die aufwendige Oberflächenbearbeitung durch den Künstler. Die kontrastierenden Texturen sind zwar schon im Modell angelegt, aber in der Regel mit dem Guss nicht in endgültiger Form vorhanden. Die strukturierten Flächen müssen ebenso mechanisch nachgearbeitet werden wie die geschlossen glatten Flächen. Da die zuletzt genannten Flächen zudem poliert werden sollen, sind mehrere Schleifvorgänge in unterschiedlicher Körnung (60 bis 400) sowie anschließend drei Poliervorgänge (grob, medium, fein) auszuführen. Diese Arbeitsprozesse sind für jede einzelne Plastik anzusetzen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Oberflächenfärbung durch diese Arbeitsvorgänge in Mitleidenschaft gezogen wird, so dass eine zweite Oberflächenbehandlung mit Glas erfolgen muss und ein anschließendes Nachpolieren der geschlossen glatten Flächen. Damit ist die Endfertigung der plastischen Werke abgeschlossen.

 

 

Der Aufbau der Werke für die Präsentation

 

Mit der Endfertigung einer Plastik ist indessen noch nicht die Möglichkeit ihrer Präsentation gegeben. Dafür müssen die Basen geschnitten werden, die vom Künstler noch geschliffen und poliert werden müssen, danach erfolgt das Verschweißen zwischen Basis und Plastik. Zuschneiden und Verschweißen wird in einem Rendsburger Metallbetrieb vorgenommen. Das Putzen der Schweißnähte und ein Nachpolieren der Flächen übernimmt wiederum der Künstler.

Wie oben erwähnt, wird die beiden Bronzeplastiken eine besondere Verbindung mit Edelstahl vorgenommen. Das Gewindeschneiden und Abkanten der Basen wird maschinell im Metallbetrieb vorgenommen.

 

 

Berthold Grzywatz - Installation "6 G"

Gefördert durch den Landeskulturverband Schleswig-Holstein

 

 

„Installation 6 G“ – eine künstlerische Produktion, die das Problem der Defizite der Digitalisierung bildnerisch umzusetzen versuchen soll. Auf der Materialbasis von Aluminium und Exposidharz werden in runder Form geschnittene Metallelemente, die an die Wählscheiben früherer Telefonapparate erinnern sollen, zusammengefügt und die ausgesparten Flächen mit farblich unterschiedlichem Harz ausgegossen. Mit dieser Gestaltung sollen – durchaus ironisierend – die Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Schein und Wirklichkeit in der Technik der menschlichen Kommunikation reflektiert werden.

Das Projekt wird in digitaler Fotografie aufgenommen, vielfach bearbeitet, und dann auf der Plattform der Galerie [ Der Lokschuppen ] der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

6 G - erster Entwurf, Ausgangsidee
Modul - Aluminium, in sechsfacher Ausführung mit Wasserstrahl geschnitten,noch unbearbeitet
Ausführungsentwurf (Frontseite) - Aluminium zwischenzeitlich geschliffen und poliert
Ausführungsentwurf (Rückseite) - poliertes Aluminium
Ausführungsentwurf - noch ohne farbliche Kreisfüllungen

 

Der oben gezeigte Entwurf zeigt die endgültige Anordnung der Installation, die zunächst frei-schwebend im Raum hängen soll. Die Einzelteile müssen noch miteinander verschweißt werden, bevor sie in ihre endgültige Präsentationsform gebracht werden können. Vor der Ausführung dieser Arbeiten wird indessen noch ein farbiges Arrangement der ausgesparten Flächen herzustellen sein. Materialgrundlage ist farbiges Expoxidharz, mit dem die ausgewähl-ten Flächen ausgegossen werden. Auf diese Weise wird gleichsam eine Verbindung von Metall und "Glas" hergestellt. Die Installation soll damit in gewisser Weise "entmaterialisiert" werden.

Nach eingehenden Versuchen wurde auf die Schließung einzelner Flächen mit farblichen Elementen zu Gunsten einer höheren Transpüarenz verzichtet.

 

Die fertige Installation oben unter Skulpturen/Installationen-Collagen/6 G.

 

In einem weiteren Schritt Produktionsschritt werden Fotomontagen (Digital Image Processing Art) zur Installation entwickelt, die das Werk verfremden und der Wahrnehmung einen ganz eigenen Zugang zum Werk vermitteln.

 

"6 G" - Digital Image Processing Art

 

Kunst im kommunalen Raum - Installation der Plastik "Der Migrant" in der Gemeinde Ahnatal

 

Großplastik "Der Migrant" - aufgenommen im Lokschuppen

Die Stadt Ahnatal und die Kulturstiftung des Landkreises Kassel haben die Mittel für die Installation des Werkes "Der Migrant" be-reitgestellt. Unter Bürgerbeteiligung soll das Standortkonzept für die Metallplastik ent-wickelt werden. Anschließend wird das Kunst-werk an einem markanten Standort innnerhalb des Gemeindegebiets errichtet.

 

Die Skulptur wird vorab im Rathaus Ahnatal öffentlich präsentiert und kann während der Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.

 

Das von Berthold Grzywatz entwickelte Standortkonzept wurde in einer Bürger-versammlung der Gemeinde Ahnatal präsen-tiert und die ausgewählten Standorte unter Berücksichtigung des Themas der Skulptur diskutiert. In der Versammlung einigte man sich auf den Standortvorschlag „Ökumeni-sches Zentrum“ am Kammerberg.

 

Die Gemeindevertretung folgte jedoch nicht dem Vorschlag der Bürgerversammlung. Sie verwies die Standortkonzeption zur nochmaligen Beratung an den Bauausschuss der Gemeinde.

 

Im Juli 2019 tagte der Bauausschuss in Anwesenheit des Künstlers und diskutierte alternative Standorte. Die Beratung endete mit dem einstimmigen Beschluss, die Skulptur auf einer Freifläche am Krummnussbaum-Platz zu errichten. Die Gründe für diese Entscheidung lagen in der öffentlich wirksameren Ausstrahlung des Platzes. Die Gemeindevertreter forderten im Einvernehmen mit dem Künstler eine ebenso intensive wie kommunikative Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk und seiner inhaltlichen Ausrichtung.

 

Zugleich beschloss der Bauausschuss, die Bereitstellung finanzieller Mittel für eine städtebaulich ansprechende Gestaltung des Platzes zu empfehlen. Die Gestaltung soll unter maßgeblicher Teilnahme des Künstlers erfolgen. In diesem Sinne beauftragte man Berthold Grzywatz, einen grundlegenden Entwurf für die städtebauliche Gestaltung vorzulegen.

 

Die städtebauliche Gestaltung liegt zwischenzeitlich in Form von drei Entwürfen vor, die in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Landschaftsarchitekten Günther Quentin entwickelt wurden (siehe dazu die Seite "Der Migrant"- Aufstellung der Plastik). Die Entwürfe wurden dem Bürgermeister und dem Bauausschuss in der zweiten Augusthälfte zur weiteren Beratung übergeben.

 

In abgeänderter Form wurde ein endgültiger Ausführungsentwurf festgelegt. Eine Fläche von 65 m² wird in sechseckiger Form mit anthrazitfarbenen Betonsteinen gepflastert, in deren Mitte ein quadratischer Sandsteinblock mit 100 cm Seitenmaß zur Aufnahme der Skulptur positioniert wird. Die Außenflächen des Sechsecks erhalten zur Rahmung Sandsteinquader als Sitzgelegenheit. Zwischen den Sandsteinquadern werden gestielte Säulenhainbuchen als weiteres Rahmenelement gepflanzt. Das Kunstwerk erhält darüber hinaus eine Beleuchtung mit LED-Leuchtkörper, die im Boden eingelassen werden. Dieser Ausführungsentwurf wurde am 14. September vor Ort der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Einweihungstermin der Skulptur und ihres öffentlichen Raums ist für den 19. Oktober 2020 projektiert.

 

Berthold Grzywatz

 

KUNST IM KOMMUNALEN RAUM

Städtebauliche Entwürfe für den Standort zur Aufstellung der Skulptur  „Der Migrant“

Gemeinde Ahnatal – Im Kreuzfeld/Krummnussbaum-Platz

 

Städtebaulicher Entwurf Nr. 1
Städtebaulicher Entwurf Nr. 2
Städtebaulicher Entwurf Nr. 3
Ausführung städtebaulicher Entwurf Nr. 1
Skizze des Realisierungsentwurfs

 

Berthold Grzywatz - Installationen für Schloss Gottorf (Entwürfe)

 

Installation für den Neuwerkgarten Schloss Gottorf (Entwurf)

 

Die Kuratoren Uta Kuhl und Ulrich Schneider besuchten die Galerie [ Der Lokschuppen ]. Ihre Aufmerksamkeit galt den im Sandgussver-fahren hergestellten Metallplastiken von Berthold Grzywatz.

 

Mit dem Besuch wollten sich die Mitarbeiter des Landesmuseums nicht nur einen Überblick über die plastischen Arbeiten von Berthold Grzywatz verschaffen, sondern auch in Erfahrung bringen, ob einzelne Werke für eine Aufstellung im Neuwerkgarten von Schloss Gottorf in Frage kämen.

 

Berthold Grzywatz hat im Anschluss auf der Grundlage seiner neuen Metallskulptur „INTERMEZZO“ Installationsentwürfe für den Neuwerkgarten angefertigt, die dem Landesmuseum überreicht wurden.

 

 

Berthold Grzywatz - Installationen für Schloss Gottorf
Schloss Gottorf - Installationen.pdf
PDF-Dokument [5.0 MB]

 

Berthold Grzywatz - Wald des Friedens - Wood of Peace

Öffentliches Installationsprojekt

 

Modell der projektierten Installation "Wald des Friedens" (8 x 6 m)

 

 

Berthold Grzywatz - Wald des Friedens - Wood of Peace - Projektdarstellung
Wald des Friedens - Projektdarstellung-A[...]
PDF-Dokument [8.5 MB]
Skulpturen (Edelstahl) im Stelenfeld

 

Das Projekt einer räumlich größer angelegten Installation setzt sich thematisch mit der Problematik des Friedens auseinander, nicht in Form von Gedächtnis und Gedenken, sondern in der Vermittlung von Geschichte und Wirklichkeit, in der Orientierung von Geschichts- und Handlungsbewusstsein. Es soll ein Raum der Reflexion konstituiert werden, in dem der Friede als unverbrüchlicher Bestandteil eines humanen Seins und dessen gerechte Ordnung als Leitmotiv des menschlichen Handelns erfahrbar wird.

 

 

Historische Anmerkungen zur Installation „Wald des Friedens“

 

Die anvisierte Realisierung des Projekts im Jahre 2018 verbindet sich mit einem historischen Datum: Im November dieses Jahres jährt sich zum hundertsten Mal das Ende des Ersten Weltkriegs, den der amerikanische Diplomat George F. Kennan als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ begriff. Das europäische Staatensystem der damaligen Vorkriegszeit wurde vom Souveränitätsprinzip getragen, das den Krieg als Mittel der Politik ebenso einschloss wie es das Risiko seiner Wahrscheinlichkeit in Kauf nahm. Es fehlte am Willen die Folgen eines Krieges mit der notwendigen Umsicht zu erwägen und daraus die politischen Konsequenzen zu ziehen, d. h. den Frieden zum nicht umkehrbaren Leitmotiv des Handelns zu machen.

 

Die verbreitete Indifferenz gegenüber der Gewalt wurde durch ein Denken befördert, dass den Krieg als grundlegenden Bestandteil des Menschseins begriff, da er vermeintlich der Degeneration vorgriff. Es nimmt nicht Wunder, wenn die europäischen Nationen im August 1914 eine literarische Mobilmachung erlebten. Der deutsche Expressionist Georg Heym klagte schon im Spätsommer 1911 über die banale Zeit, die seinen Enthusiasmus brachliegen ließ, und er hoffte „wenigstens auf einen Krieg“.

 

Nach dem Ausbruch des Krieges wurde der Pazifismus als „gefährliche Friedensschwärmerei“ diffamiert, die auf eine „Entmannung der Völker“ gerichtet war. Die friedliche, wenn auch krisenreiche Vorkriegszeit setzte man mit Erschlaffung, Knechtung, Kranksein und Sittenverfall gleich, während der Krieg als „gesandtes Heil“ begrüßt wurde, das Erlösung, Reinigung, Erhebung und innere Einheit versprach. Es ist, trotz der durchaus vorhandenen Vorbehalte kritisch Distanzierter, von einem beispiellosen Versagen der europäischen Intellektuellen zu sprechen. 

Seitlicher Einblick

Mit dem Krieg ging dessen Ideologisierung einher. Gewalt und Hass wurde als nationaler Existenzkampf und zivilisatorische Abwehr vermittelt. Was die europäische Öffentlichkeit dann aber erfuhr, waren nicht nur die bis dahin unbekannten Formen der Zerstörung, sondern auch eine Industrialisierung der Gewalt und eine Totalisierung des Krieges. Die Wirkungen der technisch-industriellen Zivilisation verwischten die Grenze zwischen militärischem Geschehen und zivilem Leben, der Krieg verlangte eine umfassende Mobilmachung aller gesellschaftlichen Kräfte.

 

Das Grauen der Kriegserfahrungen förderte schon in den letzten Kriegsjahren einen neuen Pazifismus, doch die Forderung des „Nie-Wieder-Krieg“ verblasste rasch angesichts einer europäischen Friedensordnung, die nicht von den Motiven der Versöhnung und des internationalen Ausgleichs getragen wurde. Im Grunde genommen wirkte die Kriegsmentalität nach. Die Teilung Europas in Sieger und Besiegte und die daraus erwachsende ständige Bedrohung des Friedens konnte auch nicht durch die Einrichtung des Völkerbunds ausgeglichen werden. Seiner Aufgabe als konfliktregulierendes Parlament der Nationen sowie als Organ der kollektiven Sicherheit und Abrüstung war diese Institution schon in seiner Anlage nicht gewachsen. Der Völkerbund wurde zum Forum der europäischen Großmächte und ihrer nationalen Interessen.

 

Die Fehlkonstruktion der Friedensordnung steigerte das während des Krieges ohnehin schon erreichte hohe Maß des Nationalismus nochmals und radikalisierte sich zusehends durch die Integration rassistischer Ideologien. Vor allem das nationalsozialistische Deutschland zeigte sich kriegsentschlossen, nicht zum Gewinn einer mitteleuropäischen Hegemonie, die selbst den konservativen Eliten nicht mehr genug war, sondern zur Verwirklichung der rassischen Utopie großgermanischer Herrschaft. Die Triebkraft des Rassischen unterschied den Ersten vom Zweiten Weltkrieg, mit dem die nationalsozialistische Diktatur das alte Europa zerstörte und, wie Friedrich Meinecke umschrieb, die „deutsche Katastrophe“ herbeiführte. Der japanische Nationalismus scheiterte zur gleichen Zeit an seinem imperialistischen Versuch einer „Neuordnung“ Ostasiens.

 

Nach der Erfahrung zweier Weltkriege gehörten die Aufgaben einer Weltfriedensordnung und einer dauerhaften Friedenssicherung, deren Grundlage nur eine allgemeine Abrüstung und ein kollektives Sicherheitssystem mit dem Gebot des Gewaltverzichts sein konnte, zu den politischen Zielen der alliierten Mächte. Die organisatorische Basis der Friedensordnung sollte wiederum ein internationaler Staatenbund sein, dem freilich von Beginn an die Großmächte und mit der Zeit sämtliche Staaten angehören mussten. Dieses universale Prinzip ist heute in der 1945 gegründeten Organisation der Vereinten Nationen weitgehend erreicht worden.

 

Der Friedensbegriff der Weltorganisation begnügte sich schon zu Anfang nicht mit der tradierten Negativdefinition von Frieden, indem der Weltfrieden und die internationale Sicherheit auf der Grundlage der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker, der internationalen Zusammenarbeit im Hinblick auf sozioökonomische, kulturelle und humanitäre Probleme, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie eines allgemeinen Gewaltverbots gewahrt werden sollte. Allerdings wurde das Souveränitätsprinzip nicht aufgegeben, überdies verfügte die Institution über keine eigenständigen exekutiven Mittel. Die Vereinten Nationen waren mithin ebenso weit davon entfernt, eine rechtliche und politische Einrichtung mit einem Gewaltmonopol zu sein, wie es den Mitgliedern über die einzelnen Nationalismen hinaus an einem Gemeinschaftsbewusstsein mangelte, das auf der Anerkennung eines gemeinsamen Rechts beruhte.

Seitlicher Einblick von Süden

 

Eine aktive Friedenspolitik, die Zwangsmaßnahmen einschloss (peace enforcement), ließ sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nie realisieren. Die Interessenkonflikte zwischen den Großmächten bzw. den Mitgliedern des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verhinderten ein gemeinsames Handeln. Der Gegensatz zwischen den westlichen Demokratien und den östlichen kommunistischen Diktaturen sowie die Blockbildung in feindliche Militärbündnisse blockierten eine allgemeine Befriedung der Welt. Zwar unterband das Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion, insbesondere der Auf- und Ausbau der atomaren Bewaffnung, eine militärische Konfrontation der Weltmächte, die ohne Frage den Charakter eines neuen Weltkrieges angenommen hätte, aber zwischenstaatliche Kriege, ethnische Konflikte und Bürgerkriege gehörten und gehören zum politischen Alltag des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Die Entspannungs- und Abrüstungsbemühungen zwischen den USA und der ehemaligen Sowjetunion  bzw. Russland führten zur Reduktion der atomaren Waffenarsenale, die atomare Abschreckungspolitik wurde dadurch freilich nicht aufgehoben. Zudem bleiben die atomaren Rüstungsanstrengungen von autoritären bzw. diktatorischen Regimen wie dem Iran und der Volksrepublik Nordkorea entweder nur bedingt oder gar nicht kontrollierbar.

 

In der multipolaren Welt der Gegenwart lassen sich bei der konventionellen Rüstung expansive Strategien beobachten. Die Ausgaben für konventionelle Waffen wie etwa Raketen und Kampfflugzeuge nehmen seit der Jahrtausendwende kontinuierlich zu, deren Hintergrund bilden sowohl regionale Machtkonflikte wie im Nahen Osten und Afrika als auch Auf-rüstungsanstrengungen solcher Schwellenländer wie China und Indien. Die Hersteller dieser Waffen sind mehrheitlich westliche Industrieländer, allen voran die USA, Deutschland und Frankreich, aber auch Russland. Angesichts anhaltender sozialer Armut bzw. des Ungleichgewichts zwischen reichen und armen Ländern, der Unterdrückung von Minderheiten sowie dem gewaltsamen Austragen von nationalen und ideologischen Konflikten erscheint der Frieden heute jenseits aller politischen Realität zu sein.

Einzelne Skulptur im Stelenfeld

 

Das Installationsprojekt wurde dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein bzw. der zuständigen Ministerin Karin Prien vorgestellt. Eine Installation auf den fördeseitigen Freiflächen des Kieler Landtagsgebäudes ließ sich nicht realisieren, da für diese Flächen keine Dauerinstallationen vorgesehen sind. Von Seiten des Ministeriums wurde eine mögliche Realisierung des Projekts als "Kunst im öffentlichen Raum" in der Region vorgeschlagen.

In Zusammenarbeit mit dem Kreiskulturbeauftragten wurde die Freifläche vor dem Kreishaus des Kreises Rendsburg-Eckernförde in Rendsburg ausgewählt, da das Kunstwerk nicht nur einen angemessenen Ort der Präsentation benötigt, sondern als Ort des Nachdenkens über die Gefahren des Friedensverlustes bzw. seiner Wahrung zwischen den Polen Sicherung und Gefährdung auch an einen kommunikativen öffentlichen Raum gebunden sein soll. Die axiale Bindung zwischen dem Kreishaus und dem Jüdischem Museum Rendsburgs ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Verortung des Kunstwerks.

Für die Realisierung des Projektes sind Mittel des Landes Schleswig-Holstein, des Kreises Rendsburg-Eckernförde, der Stadt Rendsburg und der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein beantragt.

 

 

Berthold Grzywatz

Linear - Nichtlinear - Linearität - Nichtlinearität

Prolegomena zu einer Ausstellung

 

System und Ordnung Nr. 31

 

 

Der Gedanke der Linie soll hier unter den Aspekten von Verbindung, Beziehung und System in der Polarität von linear und nichtlinear bzw. Linearität und Nichtlinearität aufgenommen werden. Mit dem Bezug auf diesen Gegensatz ist die Vorstellung verbunden, dass die einzelne Linie selbst, solange sie ohne Verbindung ist, solange sie nicht in Beziehung zu ande-ren Dingen tritt oder in Systeme eingebracht wird, ein Nichts bleibt. Der schnell hingeworfene Strich auf einem Blatt Papier, der gezogene Strich auf einer leeren Tafel oder die endlose, vielleicht sogar organisch bewegte Linie, sind ebenso bedeutungslos oder, anders ausgedrückt, seelenlos wie massenhaft vervielfältigte Raster, die unser alltägliches Leben in nicht überschaubaren Formen begleiten. Korrespondiert die zufällig hingeworfene Linie unterdessen auf einem Blatt Papier mit einem Punkt, einem Fleck oder selbst schon mit den mechanischen Verformungen des Werkstoffs, unabhängig, ob gewollt oder lediglich objektbedingt, verbindet sich der Strich mit einem speziellen Material oder Formen in der Fläche, so dass er möglicherweise über die Zweidimensionalität hinaus räumliche Statur gewinnt.

 

Die Linie ist nicht nur ein singuläres ästhetisches Phänomen, sondern als Bestandteil von Netzen ist sie auch ein systemstrukturelles Element, das in seiner Vielschichtigkeit nahezu sämtliche Bereiche unserer Lebenswelten durchdringt. Denken wir nur an ein Wirtschaftsgut, dessen Wertverlust nach der Anschaffung betriebswirtschaftlich bei der Berechnung des Unternehmensgewinns berück-sichtigt werden muss. Zur Bewältigung dieses Problems arbeitet man mit dem Prinzip der Abschreibung, deren Methoden linear oder degressiv gestaltet werden können. Bei der Beschreibung physikalischer Phänomene begegnen uns lineare und nichtlineare Theorien. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass die Erscheinungen der Praxis nicht linear strukturiert sind. Einerlei, ob wir die Natur beobachten oder ob wir uns der Analyse von Gesellschaft, Politik und Ökonomie zuwenden, lineare Gleichgewichtszustände bilden eher die Ausnahme, während Strukturbrüche, Turbulenzen, Instabilitäten und Übergänge geradezu regelhaft auftreten, unter Umständen Bedingung für Entwicklung sind.

 

System und Ordnung Nr. 7

 

Die Ausbreitung des Internets konfrontiert uns mit neuen medialen Delinearisie-rungstendenzen. So ist stellt sich etwa die Online-Zeitung multimedial, interaktiv und virtuell dar, zur gleichen Zeit wird sie nichtlinear organisiert, indem sie die autorenbestimmte Rezeption durch eine nutzerbestimmte ablöst. Der Leser kann die hypertextuellen Strukturen dieses Mediums nutzen, um autonom und nicht zuletzt unabhängig von Raum-Zeit-Mustern Informationen einzuholen und zu kommunizieren oder um sich zu orientieren. Digitale Literatur schließlich eröffnet die Möglichkeit des Verkoppelns von Texten, der nicht-sequentiellen Anordnung von sprachlichen Einheiten, seien sie nun hierarchisch oder nichthierarchisch angelegt.

 

Wenn Nichtlinearität unter systemtheoretischen Aspekten gleichsam eine Metastruktur generiert, so ist diese allerdings nicht von linearen Entwicklungen abgelöst. Die individuelle Alltäglichkeit ebenso wie der Prozess des Gesellschaftlichen, des Ökonomischen und Politischen unterliegen den linearen Rhythmen eines Ordnungsgefüges, das fortwährend gleichförmigen Schwingungen unterworfen ist. Man mag an einen Kreislauf denken, der alles vereinnahmt hat und sich gesetzmäßig in vorgegebenen Bahnen bewegt. Gleichwohl folgt nicht jeder Impuls einem linearen Muster. Die regelhafte Ordnung muss Dissonanzen ertragen, Verzerrungen hinnehmen, Übersteuerungen aushalten; Modulationen und Kombinationen sind in den Systemen schließlich unvermeidbar.

System und Ordnung Nr. 30

 

Im Zusammenhang des Miteinanders von Linearem und Nichtlinearem stellt die einzelne isolierte Linie vielleicht ein Paradox dar, da sie unterschiedlichen Systemen dienen kann und dient. Möglicherweise müssen wir ihre Realität überhaupt anzweifeln. Denken wir noch einmal an die lineare Abschreibung eines angeschaffenen Wirtschaftsgutes. Der zeitliche Abschreibungsmodus folgt einem willkürlich festgelegten Muster, an dessen Ende das Objekt selbst ohne Wert ist, obgleich es weiterhin existiert und in Gebrauch genommen werden kann. Die Linien dieses Systems sind also lediglich gedankliche Konstruktionen – oder liegen wir in diesem Fall nur begrifflichen Problemen auf, d. h. dem Missachten der verschiedenen Bereiche, denen die Begriffe entnommen sind?

 

Der widersprüchliche Charakter der Linie wird auch kulturgeschichtlich deutlich, indem sie als ein Symbol des Bindens und Lösens überliefert ist. Unabhängig von der einzelnen Form, sei es nun das Band oder Seil, oder sei es die Schnur, die Kette oder der Faden, kommt der Linie eine ambivalente Bedeutung zu, denn sie verkörpert sowohl das Bindende und Begrenzende als auch die Unbegrenztheit der Entfaltung und Freiheit. Dem Menschen kann sie die Möglichkeit immerwährenden Fortschreitens eröffnen oder die Fesselung an die eigene existentielle Situation verdeutlichen. Nimmt die Linie die Form einer Spirale an, wird auf Prozesse des Ausdehnens und Zusammenziehens hingewiesen, werden Wachstum und Expansion, Tod und Kontraktion, Kontinuität und Diskontinuität repräsentiert.

 

Über die Symbolik von Linearität und Nichtlinearität gelangen wir mithin zum Menschen und seiner Geschichtlichkeit. Dieser sieht sich stets in eine konkrete Situation hineingestellt, die ihm aus seiner Sicht ebenso linear wie nichtlinear gegenübertritt: Er sucht zu gestalten, aber immer im Bewusstsein, das sein Handeln durch das Geschehen bestimmt ist. Er selbst hat sich als vernunft- und triebgeleitetes Subjekt kennengelernt, zugleich hat er jedoch einsehen müssen, dass sein Verhältnis zu sich selbst ebenso durch die Beziehungen zu den Mitmenschen wie durch die vorgefundene Situation bestimmt ist. Die Orientierung des Ichs, seine Selbstverwirklichung, ist, obwohl die Selbstvermittlung von jeher als Teil seines Handelns erscheint, nicht durch den Selbstbezug zu klären bzw. zu eröffnen.

 

In seinem Handeln muss der Einzelne folglich aushalten, dass er nicht von außen her über seiner geschichtlichen Situation steht, sondern dass er an sie gebunden bleibt. Das faktische Geschehen ist freilich nicht schicksalhaft hinzunehmen, vielmehr unterliegt es dem Ich in seinem Handeln bewusst abzuwägen und angesichts der in der Realität gegebenen Möglichkeiten linear oder nichtlinear zu antworten.

 

System und Ordnung Nr. 32

Das im Sinne einer Seinsdialektik angesprochene Verhältnis von Linearität und Nichtlinearität begegnet uns in der komparativen Kunstwissenschaft mit der polaren Begrifflichkeit von linear und malerisch wieder. Die zunächst auf die formale Analyse eines Werkes gerichteten Begriffe erschöpfen sich derweil nicht in dieser Zielsetzung, da sie gleichfalls zwischen Werk und Welt zu vermitteln suchen, indem sie das Interesse am Sein in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen erfahrbar machen möchten. Damit tritt aber nicht nur das allgemein Gesellschaftliche, sondern auch der einzelne Künstler und der künstlerische Prozess wieder in den Blick. Der Auftakt zum Werk, die Idee, das Suchen, Erkennen und Probieren, das Entwickeln, Umsetzen und Verfestigen, unterliegen noch stets einem nichtlinearen Geschehen, während die Ausführung des Werkes in den einzelnen Phasen der Gestaltung mit der Entscheidung für Formen und Verfahren eher linearen Mustern folgen. Doch gilt in dieser Hinsicht, was bereits unter systemtheoretischen Aspekten vermerkt worden ist: Der Prozess vollzieht sich nicht in einer strikten Dichotomie, vielmehr sind beide Aspekte miteinander verwoben und insofern nicht in jeder Phase der künstlerischen Gestaltung eindeutig voneinander abzugrenzen.

 

Die hier vorgestellten Werke entfernen sich von eindeutigen Form-Inhalt-Relationen; sie verweigern sich ebenso festen formalen Ordnungen wie inhaltlichen Stereotypen. Es werden vielmehr ästhetische Spielräume erkundet, indem die spezifischen Eigenheiten der eingesetzten Materialien sowie ihre Gegensätze auszuloten sind. Die Arbeiten folgen Formprinzipien, die einerseits dem Auflösen der Fläche andererseits der Schwere der Masse Raum geben. Dieses Spannungsverhältnis wird durch differierende Oberflächenbehandlungen und konstruktive Gegensätze weiter vertieft. Wenn sich daraus Kompositionen mit kontrastreichen Wechselspielen von Materialien und Formen ergeben, so eröffnen sich Assoziationen auf lineares und nichtlineares Geschehen, das gleichsam die menschliche Existenz fundiert. Form und Inhalt bleiben indes offen, fügen sich einem eher freien Verknüpfen unterschiedlicher Vorstellungen ein.

Verbindungen Nr. 51

 

Die Linie oder Linearität als Gestaltungsmoment stellt ein grundlegendes Faktum der Werke dar. Sei es nun, dass sie in serieller Anordnung zum Auflösen von Flächen genutzt wird, oder sei es, dass sie die Masse des Materials aufbricht, dynamisiert sowie rhythmisiert. Mitunter gerät die Fläche durch Raster sich überschneiden-der oder konträr angeordneter Linien geradezu in Bewegung, während gleichzeitig unregelmäßige Linien dazu dienen, einzelne Flächenteile aus der Gesamtmasse des Materials zu heben. Auf diese Weise wird dem flächigen Objekt eine nichtlineare, ins Räumliche tendierende Struktur verliehen. Das Nebeneinander von seriellen Liniennetzen, unregelmäßigen Linienmustern  sowie unberührten, häufig polierten Flächen und plastischen Elementen lässt das skulpturale Objekt dennoch nicht zerfallen, indem eine sich in der Unregelmäßigkeit behauptende Einheit geschaffen wird. Dem räumlichen Körper überhaupt wird eine fragmentarische Qualität verliehen und das Fragmentarische zugleich zum immanenten Gestaltungsprinzip gemacht.

 

Gleichzeitig findet die Linie in ihrer Fähigkeit Anwendung, plastischen Gegenständen mehr oder weniger feste Konturen zu verleihen, indem auf planen oder auf gewölbten Flächen, die durch Satinierung und Polierung einen hochglänzenden Charakter erhalten haben, Umrisse evoziert werden. Der Gegensatz von linear und nichtlinear lässt sich somit in der quasi beruhigten Fläche erhalten. Den inhaltlichen Assoziationen dürften mit diesen Verfahren mannigfaltige Anlässe zu differierenden Lesarten gegeben werden.

 

In der Fotografie zeigt sich die Linie  nicht minder deutlich als strukturierendes Element. Unter dem Gedanken von „System und Verbindung“ werden in der Regel industriell gefertigte Objekte fokussiert, die durch Reduktion und Detaillierung des Ausschnitts den Zugang zu räumlichen und zeitlichen Orientierungen versperren. Vereinfachung und Vereinzelung sind Mittel der Verfremdung, mit denen die fotografischen Objekte ihrer unmittelbaren Realität entrissen werden. Mit dem Verlust des Kontextes sollen neue Relationen erschlossen, Welt und Wirklichkeit strukturell anderen Blickweisen geöffnet werden.

 

Verbindungen Nr. 29

 

Schrauben und Muttern sind als Objekte stets Bestandteile von Ordnungen oder sie sind tragende Elemente von Systemen. Das Herstellen von Verbindungen beinhaltet ihre wesentliche Funktion, wobei jede Verbindung eine Ordnung eruieren kann, während sie in der seriellen Anordnung Systeme zur Entfaltung bringen. Die Objekte können Netze aufbauen, indem sie ihre Kräfte in Reihen, Über- und Unter-ordnungen  summieren. Die produzierten Systeme unterliegen einem zeitlichen Kontinuum, das in der Regel geplant wird, sich aber dennoch durch die Vielfalt der einwirkenden Faktoren eine Offenheit bewahrt.

 

Die fotografische Reduktion erschließt Linien in den unterschiedlichsten Formen: hier horizontal und vertikal, dort ansteigend und abfallend, bisweilen sich kreuzend. Die Linie findet sich in geometrischen Figuren wie Kreis, Rechteck, Rhombus, Ellipse Trapez oder Triangel sowie in ihren abgewandelten Formen wieder. Zudem begegnen sich in den Objekten regelmäßig geometrische Figuren und Linien. Der hexagonale Körper zeigt innenwandig spiralförmig angelegte Linien, der zylindrische Körper zeigt wechselnde Anordnungen von spiraligen Windungen und geglätteten Flächen.

 

Systeme und Verbindungen unterliegen linearen Prozessen und bringen im Allgemeinen lineare Ordnungen hervor. Die Bedingungen dieser Ordnungen unterliegen im Kontext von Umwelt und Gesellschaft jedoch den unterschiedlichsten Einflüssen, so dass nichtlineare Momente ihre Eigenständigkeit ständig in Frage stellen. Die ausgewählten Objekte können also Symbol für die immanente Instabilität jedes Systems sein, das auf Totalität ausgerichtet ist. Die Handlungsfähigkeit des Menschen bzw. die Notwendigkeit seines Handelns sollte nicht vor der Komplexität der Welt scheitern oder vor der Übermacht vermeintlicher Systemzwänge resignieren.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Copyright und Webdesign: Berthold Grzywatz