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Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Berthold Grzywatz


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Barrieren

Stahl, gelasert, handgeformt, geschweißt, verschraubt, farbig gelackt; Figuren: Metalleffektlack (Perlglanz). 172 x 112 x 80 cm. 2015.

 

I

 

Die im Jahre 2015 fertig gestellte Skulptur „Barrieren“ wurde im Rahmen des Werkzyklus „Dialektik und Transformation“ angefertigt. Sie gliedert sich in die Elementgruppen Basis, Raumraster und Figuren. Sämtliche Teile sind in Baustahl ausgeführt, nur die als Verbindung eingesetzten Schrauben und Muttern bestehen aus Edelstahl. Mit Ausnahme der Verbindungen wurden alle Stahlteile nach der erforderlichen Grundierung farbig gestaltet. Es kamen dabei Lacke mit Hammerschlageffekt und spezielle Struktureffektlacke mit Perlglanz zum Einsatz. Die Maße der Skulptur belaufen sich auf 172x112x80 cm, das Gewicht beträgt ca. 150 kg.

 

Die trapezoide Basis der Skulptur setzt sich aus zwei schmalen rechteckigen Grundelementen in hochgestellter Anordnung und zwei stärkeren Stahlplatten unterschiedlicher Länge und Breite zusammen. Die Platten weisen Mehrfachbohrungen für Verschraubungen auf. Zudem ist ein Schenkel mit einem weiteren Stahlelement verschweißt, das der Teilverbindung mit einer Figur dient. Für die Lackierung wurde ein schwarzer Lack mit Hammerschlageffekt gewählt.

 

Der Raumraster wird durch zwei schräg zueinander gestellte Stahlelemente gebildet, die durch lineare Muster durchbrochen sind. Die gelaserten und geflexten Muster öffnen den Raum auf differierende Weise: Kleinteiligen Elementen stehen weiter geöffnete oder geschlossene Flächen gegenüber, so dass die räumliche Teilung eine bewegte Dynamik erhält. Die Stahlelemente wurden auf Edelstahlschrauben geschweißt, die durch Hutmuttern mit der Basis verbunden werden. Die direkte Verbindung der schräg gestellten Stahlteile wird durch drei Stahlquader mit Gewindebohrung gewährleistet, die mit dem größeren Stahlelement verschweißt sind, während das kleinere Stahlelement mit Hilfe von Edelstahlschrauben mit dem größeren Teil verbunden ist. Das Raumraster hat eine kupferfarbene Lackierung mit Hammerschlageffekt erhalten.

 

Die Stahlfiguren wurden nach entsprechenden Modellentwürfen im Wasserstrahlverfahren in unterschiedlicher Materialstärke hergestellt. Während die etwas größere, aufrechte Figur plan entwickelt ist, zeigt die andere eine Biegung im Winkel von ca. 65°. Dadurch wurde es ermöglicht, dass diese Figur um das kleinere Stahlelement des Raumrasters herumgeführt werden konnte. Durch die differierende Positionierung der Figuren im Raum und ihre voneinander abweichende Haltung erhält die Skulptur eine überaus wirkungsvolle Spannung.

Die Figuren sind zudem farbig gestaltet, und zwar mit verschiedenen Blautönen, die zwischen Hell und Dunkel wechseln. Für die Lackierung wurden dann besondere Struktureffektlacke mit Perlglanz aufgetragen.

 

 

 

II

 

Die technisch anspruchsvolle Skulptur inszeniert mit abstrakten Mitteln ein räumliches und stoffliches Spannungsfeld, in dem funktional-lineare, technisch-expressive und farblich-konträre Elemente aufeinandertreffen. Raum und Material setzen sich mit der Grundsituation menschlicher Beziehungen auseinander, die noch stets als historisch vermittelte Verflechtung angelegt und an interpersonale Verantwortung gebunden sind. Gleichwohl ist dieses Miteinander – sei es nun in der Globalität der „einen“ Welt, sei es in der Differenzierung nationaler Gesellschaften oder sei es in der Sphäre individuell-persönlicher Existenz – durch Konflikte und Spannungen aufgeladen. Sie verweigern sich dem Dialog, lassen an der Herrschaft der Humanität zweifeln, während sie durch Ungleichheit, Unfreiheit und Gewalt, aber auch durch Intoleranz, Vorurteile und soziale Ängste oder Bildungsdifferenzen genährt werden und Barrieren schaffen.

 

Die Fragilität der Basis,  die Unregelmäßigkeiten in den linearen Formen des Raumrasters sowie seine spannungsgeladene Teilung und die durch Getrenntsein gekennzeichnete Positionierung der Figuren im Raum sollen diese Konfliktsituation verdeutlichen. Die Krisenhaftigkeit des Miteinanders, durch die Defizite des Dialogs in einer ökonomisch, ideologisch und kulturell gespaltenen Welt, aber auch durch Beziehungsphobien verschärft, soll in der Haltung der Figuren zum Ausdruck kommen. Sie schwanken zwischen massiver Aufforderung und stiller, in sich gekehrter Distanz und scheinen den Dissens zur Existenzform zu machen. Dennoch sind die Barrieren nicht als immerwährende Bedrohung, als unabänderliche Bedingung des menschlichen Seins zu verstehen. Der Dialog bedarf indessen der Anstrengung, ihn als humane Aufgabe und praktische Notwendigkeit jenseits der Latenz von Gefährdungen umzusetzen.

 

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