Plastik

Metallplastik

 

Die Metallplastiken von Berthold Grzywatz werden im Sandform- bzw. Sandgussverfahren hergestellt. Der Bildhauer entwickelt in der Regel ein Modell aus Ton oder Holz, das als Dauermodell angelegt ist und in seiner Gestalt der Gussform entspricht.

 

Nach der endgültigen Fertigstellung kommen die Modelle zur Abformung in die Metallgießerei. In der Regel wird für das Abformen  Sand benutzt, der in Formkästen durch Rütteln oder Pressen bis zur notwendigen Stabilität der Form verdichtet wird. Im Allgemeinen kommen im Gießverfahren zwei Formkästen zum Einsatz, da durch die Nutzung eines Ober- und Unterkastens die beidseitige Formung des Gussteils möglich ist. Nach der Abformung entfernt der Metallgießer die Modelle und fügt die Formkästen wieder maßgerecht zusammen.

 

Sobald die Formkästen durch Zwingen oder Klammern gesichert sind, wird der flüssige Gusswerkstoff in die gefertigte Form gegossen. Nach dem Erkalten des Gussstücks muss die Sandform mechanisch zerstört werden, sofern nicht durch die Wahl des Bindemittels ein Selbstzerfall erreicht wurde. Der Zweitguss von einem Bildhauermodell verlangt wiederum eine in der beschriebenen Weise gefertigte Sandform. Als Gusswerkstoff hat Berthold Grzywatz das Leichtmetall Aluminium oder Aluminiumlegierungen gewählt.

 

Das gegossene Werkstück bleibt nach seiner Fertigstellung zunächst noch für Nacharbeiten in der Gießerei, um etwa Gussfehler zu beseitigen, Teilfugen oder Grate zu behandeln, Eingangstrichter, Läufe und Nähte zu putzen oder anhaftenden Formstoff zu beseitigen. Stets lässt Berthold Grzywatz das Werkstück mit Strahlmaschinen bearbeiten, da nur auf diese Weise eine gleichmäßige Färbung der Oberflächen zu erreichen ist. Je nach der künstlerisch gewünschten Körnung der Oberfläche wird der Aluminiumguss mit Stahlschrot oder Glaskugeln behandelt. 

 

Das Sandformverfahren eignet sich besonders für künstlerische Werkstücke, da der Gestaltungsfreiheit des Bildhauers keine engen Grenzen gesetzt sind. Allerdings ist die kreative Arbeit bei der Modellentwicklung insofern an die technischen Erfordernisse des Verfahrens gebunden, als die Entnahme des Modells aus der Sandform bzw. den Formkästen keine Überhänge oder Auskragungen am Modell erlaubt und zudem für das Ausheben Formschrägen vorhanden sein müssen. Diese Erfordernisse lassen sich nur umgehen, indem das Modell in kleinere Teile zerlegt wird, die nach den separaten Güssen wieder zusammengeschweißt werden müssen. Die Herstellung des künstlerischen Werkstücks ist dadurch ebenso komplex wie aufwendig.

 

Eine Alternative bietet das Gießverfahren mit verlorener Form. Anstelle des Dauermodells aus einem festen Werkstoff verwendet der Bildhauer Wachs, Kunstharze oder Kunststoffe wie Polystyrol. Die aus diesen Materialien vom Künstler gefertigten Modelle brauchen vor dem Abguss nicht der Sandform entnommen zu werden, da man sie entweder ausschmilzt oder sie beim Eingießen des Gusswerkstoffs verdampfen, verschmelzen bzw. sich in anderer Form zersetzen lassen.

 

Im Atelier des Künstlers fallen entsprechend der ästhetischen Konzeption der Plastik weitere Arbeiten an. So arbeitet Berthold Grzywatz gerne mit den Möglichkeiten differierender Oberflächengestaltung, um über die Anlage der Form hinaus weitere Spannungselemente am Werkstück zu entwickeln. Eine in sich geschlossene, glatte Oberfläche wird man in den Arbeiten von Berthold Grzywatz seltener finden. Vielmehr charakterisieren Brüche in der Fläche, komplexe, einander überschneidende Schraffierungen und Linien oder gar tiefe Aufrisse im Material die künstlerischen Werkstücke von Berthold Grzywatz. Mitunter arbeitet er auch mit dem bewussten Gegensatz von gebrochenen und glatten Flächen, so dass im Atelier vielfältige Schleif- und Polierarbeiten notwendig werden.

 

Entsprechend dem künstlerischen Entwurf müssen die Oberflächen der plastischen Elemente bearbeitet werden: In mehrfachen Schleif- und Polierprozessen ist die Oberfläche der Vorderseiten in einen glatten Zustand zu bringen, wobei einzelne Einsprengungen, Aufrisse und Schraffierungen bewusst nicht gänzlich abgetragen werden. Die hochpolierte Fläche erhält auf diese Weise einen verletzlichen, wenn nicht spannungsgeladenen Charakter.

 

Zu den letzten Arbeitsschritten gehören bei mehrteiligen Werken das Zusammenfügen, d. h. die Verbindung der einzelnen Gussteile im WIG-Aluminiumschweißverfahren, das Verschweißen der Gesamtfigur mit der vorbereiteten Basis aus Aluminium sowie das Putzen und Polieren der Schweißnähte.

 

Die natürliche Form in ihrer Prozesshaftigkeit, aber auch die dynamische Linearität der industriell gefertigten Form inspirieren die Arbeiten von Berthold Grzywatz stets von neuem. Die Konfrontation und intensive Auseinandersetzung mit diesen Formen schlägt sich dann in aufgebrochenen Texturen nieder, in empfindsamen, zerklüfteten und gefurchten Oberflächen, in bewegten Schichtungen und rauen Spalten oder in Lineaturen, die den Plastiken eine spannungsreiche, vielleicht manchmal sogar eine nervös erregte Bewegung im Raum verleihen, ohne jedoch in eine ästhetische Unausgeglichenheit zu zerfallen.

 

Die Betonung des Prozesshaften an der im Raum entfalteten Figur, an dem differenziert geschichteten Objekt verweist, ungeachtet aller Abstraktion, auf den Menschen, auf die Zustände des Seins und die Gegebenheiten des Lebens, weniger die Reflexion verborgener Realitätsebenen oder des essentiell Wesenhaften des Menschen herausfordernd als den Blick auf die reale Welt, auf ihre Bedingungen und Widersprüche freigebend. 

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