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Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Berthold Grzywatz


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Adelebsen, Einzelausstellung; "Lebensschichten", Skulptur, Plastik, Installation und Fotografie, Studio Wasserscheune;              13. Juli - 1. November 2014

Am 30. und 31. August wurden die Kunstwerke im Rahmen des "Offenen Ateliers" gezeigt, das im Studio Wasserscheune Künstlerinnen und Künstler aus dem Landkreis  Göttingen präsentierte.

 

Eindrücke aus der  Ausstellung:

Lebensschichten

Differenz und Fragmentierung, Konfrontation und Distanz

Zu einem Werkzyklus von Berthold Grzywatz

 

 

I

Lebensschichten - 2013

In der alltäglichen Erfahrung – mithin im Leben – ist das Ich Systemen unüberschaubarer Komplexität konfrontiert, die Erkennen oder Verstehen allenfalls in Teilen zulässt. Gemachte Erfahrungen suchen nach Einordnung, nach Überprüfung und nach Austausch in der sozialen Praxis. Die soziale Umwelt ist der Ort der Bestimmung von Individualität, von Selbstbestimmung; die Verwirklichung der eigenen Besonderheit vollzieht sich dabei stets unter der Bedingung, Gemeinschaft und damit die Freiheit anderer anzuerkennen. In der Aktualität einer wirklichen Gemeinschaft erfährt sich das Individuum als Person.

 

Selbstbestimmung zu realisieren heißt auch, sich der Vergangenheit zu stellen, eine nicht zu negierende Geschichte zu akzeptieren und die Erfahrung als Selbst im Dialog zu einem anderen Selbst zu machen. Die Basis gemeinsamen Handelns in der Sozietät zeigt sich dabei in den sittlichen Normen, die der Mensch im lebensgeschichtlichen Prozess vorfindet. Lebensform, gesellschaftliche Regeln sind in allen Lebensschichten gegenwärtig, binden Entscheidungen. Selbst in der äußersten Daseinserfahrung, der Liebe, der bewussten und totalen Selbsterfahrung des sich in seiner geschichtlichen Gestaltung selbst aufgegebenen Menschen, ist das Ich diesen Regeln als Vorentscheidungen konfrontiert. Gegenüber sozialem Konformitätsdruck, gegenüber Gewissheit, Eifer und Absolutheit bewahrt sich das Individuum durch Skepsis ebenso wie es im Verhältnis zur Gesellschaft eine notwendige Differenz sucht.

Lebensschichten - 2013

In seinen Werken bezieht sich Berthold Grzywatz auf das Individuum, auf seine Entdeckung in vielfältigen Begegnungen, auf das Aufschließen von Lebensschichten im Gewirr der äußeren Erscheinungen, in seinen Bewegungen auf den Ebenen des Öffentlichen und Privaten, in Beziehungsgeflechten und emotionalen Verästelungen. Inneres und Äußeres soll in seiner gegenseitigen Durchdringung begriffen und erfahrbar gemacht werden. Das Fragmentarische von Biographien ist zu entdecken: Bindungen, Einbindungen, Anforderungen, Erwartungen und Rollen, aber auch Verweigerungen, Rückzüge, Fluchten, Träume, Wünsche und Hoffnungen.

 

Die Bildwerke streben keine Erzählung im Sinne geradliniger Prozesse an, die durch tradierte Wiederholungen und Brüche gekennzeichnet sind. Vielmehr geht es um Abstraktion, um Strukturen und Fragmente, um Relationen und Konstellationen, die auf Typisches bzw. Allgemeines und Expression abzielen. Die Kunst erscheint hier insofern als surrealer, emotionaler Raum. Sie geht allerdings nicht mit Verschleierung oder hermetischer Abriegelung einher, sondern vielschichtig, anspielungsreich, anhaltend verunsichernd, provokativ anregend und spannungsgeladen bildet sie den Ausgangspunkt für einen dynamischen Reflexionsprozess.

 

Dieser Reflexionsprozess beinhaltet nicht die Erschließung eines bestimmten Inhalts oder das Dechiffrieren  und Identifizieren von Motiven. Als autonomes Tun ist er an den Betrachter gebunden, an dessen individuelles Sehen und Denken. Insofern gibt es keinen Gegensatz zwischen Fantasie, Deutungswillen und tatsächlicher Anschauung. Dennoch entfaltet sich der inhaltliche Erkenntnisprozess in Bindung an das Werk und in der Regel geben die Titel der Werke einen Anhalt für die Reflexion. Durch abstrakte Gliederungen, durch Bruchstücke und Details des Realen, die Symbole bzw. Zeichen des Zusammenhangs von Welt präsentieren, wird deren Sehen befördert.

Lebensschichten - 2013

II

 

 

Die verwandten Materialien sollen in ihrer Anordnung und in ihrer Eigenwirkung Spannungen, Gegensätze oder Widersprüche sichtbar machen. Daher gibt es keine flächendeckenden Glättungen oder eine aus sich selbst heraus sprechende Materialästhetik. Stets wird in das Material eingegriffen, gar bewusst Beschädigungen herbeigeführt, um sich dem nicht messbaren Lebensprozess symbolisch anzunähern.

 

Wenn Holz, Stein und Metall sich in der Skulptur oder im Objekt begegnen, dann treffen differierende Formen und Formprinzipien aufeinander: Organisches und Technisch-Industrielles, Gewachsenes und Gestaffeltes, Brüchiges und Geschlossenes. Die Materialien treten in ein Wechselspiel zwischen Leichtigkeit und Schwere, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Auflösung und Blockhaftigkeit. So spiegelt sich in den Materialien das Verhältnis von Natur und technisch-industrieller Zivilisation.

 

Natur wird hier nicht als Ort mythischer Überhöhung, als Ort der Gegenutopie begriffen; ihr wird auch nicht eine spirituelle Wirkung, etwa durch ihre Leere und Unberührtheit zugesprochen, sondern sie wird als offener Raum gesehen, der neben der Begegnung mit der Formenvielfalt eben auch Reduktion und Konzentration erfahrbar und damit dem Menschen Wahrnehmungen außerhalb der verdinglichten Welt zugänglich macht.

 

Vielleicht ist hier an Kant zu erinnern, nach dem es in der Naturerfahrung nicht um die Gunst geht, die die Natur dem Menschen zeigt, sondern um die Gunst, mit der das Ich die Natur aufnimmt. Der Mensch steht zwar in Abhängigkeit von der Natur, ist aber ebenso frei wie autonom in ihrer Anschauung. Die Naturwahrnehmung bietet für den Menschen Weltorientierung, ihre Wunden zeigen die eigenen Beschädigungen des Menschen, was keinesfalls Instrumentalisierung einschließt. Die Natur ist kein Gesprächspartner des Menschen, eine „Solidarität zwischen Natürlichem und Menschlichem“ kaum denkbar, die Abhängigkeit gebietet indes notwendiges Handeln für Entwurf und Sicherung von Zukunft.

Lebensschichten - 2013

Wenn die Natur, wie Kant meint, das Vermögen besitzt, ästhetisch-zweckmäßig zu bilden, dann charakterisiert sie sich als Ort, an dem die Fantasie Impulse empfängt; sie fungiert als Antriebskraft, sie fordert die Kreativität des Künstlers heraus – das haben nicht zuletzt die Surrealisten so gesehen –, weil sie , losgelöst von einengenden Regularien, allein der spontanen Intuition verantwortlich ist. Die Begegnung mit ihren Formen bleibt aber an das Sehen gebunden, das gleichsam zum Material für den künstlerischen Prozess wird.

 

Nun ist die Natur, die uns etwa im europäischen Alltag begegnet, nicht der unberührte Raum, den Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts mit langen Reisen gesucht und sich dabei immer weiter in entlegenere Orte gewagt haben, vielmehr ist es die Landschaft, an die der Mensch Hand angelegt hat. Ein gehegter Garten, selbst dort noch, wo der Wildnis ein Stück Raum gelassen wird. Die industrielle Welt hat die Landschaft nach ihren Erfordernissen, Notwendigkeiten und Bedürfnissen geprägt, damit wird die Natur nicht beherrschbar, aber das Ich wandelt in einem Raum jenseits der Unschuld. An den Bruchstellen zwischen urbanem und ländlichem Raum zeigt sich am deutlichsten, wie Ordnung sich fortsetzt, wie Raster und Strukturen Agglomerationen schaffen, die ohne Eingriffe nicht denkbar wären und möglicherweise auch nur in dieser Form für den gegenwärtigen Menschen annehmbar sind.

 

Industrie und Technik haben neue Seh- und Wahrnehmungsweisen eröffnet. So werden durch Bewegung dynamische Raum- und Zeiterlebnisse möglich, das elektrische Licht sorgt durch die Regulierbarkeit von Lichtstärke und Farbkomposition für die Beeinflussung von Stimmungen, das laufende Bild lässt durch Montage, Addition und diskontinuierliche Produktion die rhythmische Gestaltung von Zeitabläufen zu. Die Reduktion, Zergliederung und Beschleunigung der Darstellung wird zu einer neuen ästhetischen Erfahrung. 

Lebensschichten - 2013

Das industrielle System ist von der Kunst immer mit kritischen Vorbehalten betrachtet worden. Das gilt nicht zuletzt für den technologischen Wandel und die innovative Produktivität der Technik. Während die Natur für manchen Künstler zum inneren Gesprächspartner wird, deren Formen die plastische Fantasie anregen und die als Teil einer überzeitlichen Existenz zu begreifen ist, gerät das industrielle System zum fragwürdigen Gebilde technisierter Lebenswelten, die eine Gesellschaft des Konsums und des Wegwerfens etablierte.

 

Die marxistisch orientierte Kritik insbesondere wird bis heute nicht müde, die vom Industrialismus erzeugte namenlose Massengesellschaft anzuprangern, deren maschinelle Gleichförmigkeit zur Reduktion der Persönlichkeitsprofile führt und ein menschliches Ich ohne innere Kohärenz erzeugt. Selbst dort, wo das System die Emanzipation von überkommenen Verhältnissen fördert und Möglichkeiten selbstbewusster Individualität schafft, bleibt sie aus dieser Sicht nur Fassade. Dahinter wird eine einebnende, mechanische Grundstruktur des menschlichen Seins sichtbar. Dem negativen Bild vom industriellen System als einer „technomorphen Entseelungsmaschinerie“ steht in rechtfertigender Weise eine nivellierende Fortschrittsromantik gegenüber, die sich der Technik und den Methoden der Produktion unterwarf.

 

Die Kunst, die Antworten auf das industrielle System suchte, besann sich auf die Erneuerung von Kunst und Leben. Ästhetisch mag sie eine Zeit lang bestrebt gewesen sein, die individuell motivierte Komposition zu überwinden, indem sie eine auf die Beherrschung des Raums ruhende Konstruktion anstrebte. Diese sollte die Einheit der Form, die Egalität der Teile und die Aufgabe von Subordinationsprinzipien erzwingen. Letztlich sorgte aber die Autonomie künstlerischer Kreativität für Heterogenität, Komplexität und Pluralismus, schließlich auch für Erweiterungen, Entgrenzungen bzw. Grenzüberschreitungen in der Kunst, ohne dass sie sich dabei von der sozialen Wirklichkeit abkoppelte.

 

Die digitale Technologie schließlich ebnete neuen Konzepten von Raum und Zeit den Weg und damit sowohl neuen Wahrnehmungen des Menschen als auch dessen veränderten Sichtweisen von Welt, Umwelt, Politik und Gesellschaft. Mit der Globalität von Kommunikation und Information ist das Ich nicht mehr an die Statik des individuellen Ortes gebunden, während die Nichtlinearität von Zeit unmittelbar erfahren werden kann. Dennoch bleibt das Sehen als eine direkte örtliche Auseinandersetzung mit Objekten in Raum und Zeit bestehen. Per Kirkeby hat einmal das künstlerische Sehen als ein Schauen definiert, das über Alltag und Wissenschaft hinaus ein intensives, wenn nicht gar „reines“ Sehen darstellt, geprägt durch die besondere, eben nicht allgemeine Position des Künstlers, der stets von der Suche gefordert ist, tatsächlich zu sehen, was man sieht. Es ist hier weder an Vision und religiöse Offenbarung noch an Panorama oder eine Vergegenständlichung wissenschaftlichen Sehens gedacht, aber an ein durch die künstlerische Existenz charakterisiertes Erlebnis, das nach Transformation im Werk verlangt.

 

Das Künstler sein ist für Kirkeby mit einer Außenseiterposition oder Oppositionsstellung verbunden, die ebenso vom Zweifel an der Wirksamkeit von Kunst wie vom Zweifel an der Wirklichkeit des Augenscheins und damit der Realität überhaupt begleitet wird. Das Sehen muss daher als „bewegende Kraft“ verstanden werden, Schichten des Realen aufzuschließen und im Werk zu konkretisieren. Diese Transformation ist selbstredend an das künstlerische Subjekt gebunden und begründet unter Umständen dessen Stellung, sie steht nach der Auffassung von Berthold Grzywatz aber in einem komplexeren Rezeptionsprozess, der Sehen und Sichtbarmachen zu Teilen einer allgemeinen Bewältigung von Realität konstituiert.

 

Lebensschichten - 2013

III

 

 

Da im Kern des Werkverständnisses von Berthold Grzywatz das Herstellen symbolischer und metaphorischer Bilder, das Entwickeln poetischer und erzählerischer Aussagen steht, ist die Wahl der Werkstoffe ein wichtiges Element des künstlerischen Prozesses. Es ist eine Komplexität des Materials gefragt, die diese Zielsetzungen unterstützt. Daher nimmt Holz eine zentrale Stellung in seiner Arbeit ein, denn seine Qualität eröffnet der Gestaltung Freiräume, die auch vom Ton weniger von Stein und Metall gegeben sind. Diese zeigen indessen einerseits eine stoffliche Präsenz durch Gewicht und Stärke der Substanz, so dass sie in ein dynamisches Spannungsver-hältnis zu den natürlichen, biomorphen Materialien treten können. Zudem bietet andererseits insbesondere der Stahl die Möglichkeit, flache Formen zu schaffen, Flächen aufzulösen, Linearität und Geometrie als Mittel einzusetzen sowie Offenheit und Transparenz zu erzeugen und die Wahrnehmung von Licht und Raum zu differenzieren. Darüber hinaus lässt dieser Werkstoff durch die Flächenauflösung die handliche Formgebung durch Biegen und Drehen, Strecken und Dehnen zu, während das Schweißen die Produktion von Formen ohne Masse sowie feingliedrige Konstruktionen mit größtmöglicher Offenheit möglich macht.

 

Berthold Grzywatz nutzt diese Voraussetzungen, um in seinen Werken Gegensätze von offenen und geschlossenen, von geraden und organischen Formen aufzubauen. Gleichzeitig versucht er durch die Arten der Bearbeitung die vorgegebenen Strukturen der Materialien miteinander zu verschränken.

 

Die Form einer Skulptur entsteht, wie der amerikanische Bildhauer und Konzeptkünstler Robert Morris in seinen „Notes on the Phenomenology of Making“ anmerkte, durch die Bedingungen ihres Produktionsprozesses, so dass der Materialwahl eine herausragende Bedeutung zukommt. Materialeigenschaften und Gestaltung stehen in einem unauflöslichen Zusammenhang; die einem Werkstoff inhärenten Eigenschaften beeinflussen Arbeitsabläufe und Technik der künstlerischen Praxis sowie die intendierten Besonderheiten von Ausdruck und Form. Berthold Grzywatz sieht sich stets durch die Formen und Eigenarten des Materials bzw. der Werksoffe angeregt; sie werden aber nicht als Vorgabe aufgefasst, sondern vielmehr als Ausgangspunkt einer kreativen Konfrontation.

 

Maschinelle und mechanische Eingriffe strukturieren das Material; dabei geht es nicht um Eingriffe an der Oberfläche, sondern um eine Überlagerung der natürlichen Form durch angelegte formale Strukturen, ohne dass die vorgegebene Form in ihrer Eigenart gänzlich verschwindet. Zudem gebraucht Berthold Grzywatz die durch organische Prozesse hervorgerufenen Beschädigungen des Werkstoffs, etwa durch Risse und Spalten, indem er ihre Wirkung durch Akzentuierung und Verstärkung intensiviert. Mithin auf diese Weise einen vielfältig differenzierten emotionalen Ausdruck hervorruft und innere Strukturen offenlegt, die auf inhaltliche Intentionen abzielen.

 

Lebensschichten - 2013

Eine weitere Steigerung der emotionalen Wirkung wird durch die Oberflächenbehandlung angestrebt: Öl, Lacke und Farben sollen nicht vom Material der Form ablenken, vielmehr geht es darum, diese schärfer hervorzuheben und eine einnehmende Lebhaftigkeit zu produzieren. Deshalb werden in der Regel keine makellosen Oberflächen geschaffen, die Spuren der Bearbeitung bleiben erhalten, betonen die körperliche Präsenz des Materials. Das betrifft auch den Umgang mit Metallen. Durch maschinelle Eingriffe, beispielsweise mit Hilfe grobkörniger Fächerscheiben, werden die Kühle des Materials aufgebrochen und spannungsreiche emotionale Wirkungen erreicht. Dadurch steigert Berthold Grzywatz die Intensität des Materials und konserviert sie durch eine entsprechende Oberflächenbehandlung.

 

Die flachen und flächigen von Berthold Grzywatz verwandten Metallformen, deren Formenvokabular geometrisch angelegt ist und die unter anderem Kreise, Halbkreise, Rechtecke, Quadrate, Rhomben, Dreiecke, Bögen und Linien einschließen, spielen mit den Spannungen von freien und gebundenen Flächen; sie nutzen die Möglichkeiten der Rhythmisierung, die das Material und die technischen Bearbeitungsweisen erlauben. Diese Gliederung erfolgt jedoch in den wenigsten Fällen gleichförmig, vielmehr zeigen sich in der Reihung der Formen häufig Brüche – allerdings sind sie nicht spontan wahrzunehmen, sondern erst durch intensives Sehen zu erfassen. Trotz der expressiven Behandlung bewahrt das Material „Metall“ durch seine innere Statik eine gewisse Kühle, vielleicht könnte man auch bildhaft Distanz sagen, die der biomorphen Körperlichkeit des in den Skulpturen verwandten Holzes fremd bleibt.

 

In ähnlicher Weise nutzt Berthold Grzywatz die spannungsgeladenen Gegensätze der Materialien Stein und Metall. Es ist nicht ohne Reiz, dass er die Möglichkeiten des Metalls zu bewegten, raumgreifenden Konstruktionen und die reflektierende Oberflächenbehandlung durch Polierung einsetzt, um ein kontrastreiches Wechselspiel zwischen Formen und Oberflächen, zwischen Licht und Raum zu schaffen. Mit dem Einsatz von Farben wird die Emotionalität der Anordnungen ebenso verstärkt wie durch den Gebrauch der digitalen Fotografie im skulpturalen Umfeld, die sich thematisch mit Strukturen auseinander setzt und die Spannungen von Farbe, Licht und Raum nutzt, um Tiefenschichten bzw. Gerüste offenzulegen.

 

 

 

IV

 

 

Die Arbeit mit Gegensätzen in Material, Form und Bearbeitung verweist auf den Bruch bzw. die Verwerfung als konstitutives Gestaltungsprinzip von Berthold Grzywatz. Inhaltlich macht er das im Werkzyklus „Lebensschichten“ deutlich. Wird doch das Leben als Selbst- und Fremderfahrung wahrgenommen. Das Subjekt und sein Erkennen in der Vielfältigkeit von Begegnungskontexten entfalten sich in der sozialen Praxis. Sein Interesse richtet sich auf das Selbst, es muss aber die gesellschaftliche Vermittlung von Einstellungen und Haltungen, von Werten und Normen akzeptieren. Gesellschaftliche und selbst persönliche Bindungen garantieren nicht Nähe und Menschlichkeit, Solidarität und Geborgenheit. Die Erfahrung des Lebens konfrontiert mit Isolation, Egoismus, Misstrauen, Lüge, Zweifel und Automatismen im Handeln, die das Menschliche in Frage stellen oder diesem eine absurde Komik verleihen. Mitunter kommt sich das Ich wie ein Tourist im eigenen Leben vor, dessen Fragmentierung Unsicherheiten hervorruft, die den Wunsch entstehen lassen, sich mit den Augen anderer sehen zu können. Dennoch gilt es, im Geflecht von Brüchen, Spannungen, Gegensätzen und Widersprüchen nach Individualität und Selbstbestimmung zu suchen. 

ÜBERSICHT ZU DEN AUSGESTELLTEN SKULPTUREN, PLASTIKEN UND

 

OBJEKTEN

 

 

 

 

Lebensschichten

Eiche und Buche, farbig lasiert, auf Stahl, farbig gelackt, 230x75x40 cm. 2013.

 

Aus der Mitte entspringt ein Baum

Eiche/Eberesche, farbig lasiert, Stahl, gelasert, geschweißt, geschliffen, klar und farbig gelackt, 250x80x120 cm. 2013.

 

Wege

Buche, farbig lasiert, Stahl, gelasert, gestanzt, geschweißt, geschraubt, geschliffen ,klar gelackt, 210x90x50 cm. 2013.

 

Verwandlungen

Pflaume, farbig lasiert, Stahl, gelasert, geschweißt, geschliffen und klar gelackt, 140x100x60 cm. 2013.

 

Irritationen

Buche, farbig lasiert; Stahl, gestrahlt und klar lackiert; Stahlbasis, farbig lasiert; 150x80x40 cm. 2014.

 

Labyrinth

Eiche, klar gelackt; Aluminium, gestanzt, geschliffen, farbig und klar gelackt; Stahl, farbig gelackt, 208x120x60 cm. 2013.

 

Diskurse

Stahl, farbig gelackt; Aluminium, gestanzt, Hand geformt, geschraubt, geschliffen, klar gelackt, 208x120x60cm

 

Hoffnung

Eiche, farbig lasiert; Stahl, gelasert, geschliffen, geschraubt, klar und farbig gelackt; Edelstahl, klar gelackt, auf Aluminium aufgezogene Fotografien, 250x160x50 cm. 2013.

 

Trennungen

Metallguss-Aluminiumlegierung, gestrahlt; Stahl, geschliffen, farbig und klar gelackt, 140x80x40 cm. 2013

 

Kopflos

Buche, farbig lasiert, Stahl, gelasert, gestanzt, geschweißt, geschraubt, geschliffen, farbig und klar gelackt; 180x100x40 cm. 2013.

 

Verluste

Kiefer, farbig und klar gelackt; Stahl, gestrahlt; Edelstahl, geschliffen, geschliffen und geschraubt; 132x155x50 cm. 2014.

 

Verstörungen in der Zeit

Granit (Falster, Dänemark); Edelstahl und Stahl, Hand geformt, geschweißt, poliert und farbig gelackt; 66x63x82 cm. 2013.

 

Verlust des Gleichgewichts

Buche, klar gelackt, farbig lasiert; Stahl, gestanzt, geschweißt, geschliffen, farbig und klar gelackt; 160x120x80 cm. 2013.

 

Gegensätze

Buche, geölt und klar gelackt; Edelstahl/Stahl, geschweißt, geschliffen, farbig und klar gelackt; 180x100x60 cm.2013.

 

Brüche

Metallguss-Aluminiumlegierung, gestrahlt; Edelstahl und Stahl, geschweißt, geschliffen, klar und farbig gelackt; 160x60x50 cm. 2013.

 

Kommunikationsbarrieren

Stahl, geschliffen, geschweißt, klar gelackt; Stahl, gelasert, geschliffen, geschweißt, verschraubt, klar gelackt; Metallgüsse- Aluminiumlegierung, gestrahlt; Buche, klar gelackt; Aluminium, geschliffen, klar gelackt; 170x110x80 cm. 2013.

 

Ruhe in der Schwebe

Granit (Falster, Dänemark); Edelstahl und Stahl, Hand geformt, geschweißt, poliert u. klar und farbig gelackt, 62x60x42 cm. 2013.

 

Warten auf das Unerwartete

Buche, klar gelackt; Edelstahl und Stahl, klar und farbig gelackt; 190x70x70 cm. 2013.

 

Gedanken an andere Orte

Buche, farbig gelackt; Stahl, farbig und klar gelackt; 160x70x32 cm. 2014.

 

Spurensuche

Metallguss- Aluminiumlegierung, gestrahlt; Stahl, geschliffen, farbig und klar gelackt; 80x50x40 cm. 2013.

 

Identitätskrise

Kiefer, farbig lasiert und klar gelackt; Aluminium, gestanzt, Hand geformt, geschraubt und klar gelackt; Stahl/Edelstahl, farbig und klar gelackt; 145x70x60 cm. 2013.

 

Selbstsicht

Metallguss-Aluminiumlegierung, gestrahlt, Stahl, farbig gelackt; 105x30x26 cm. 2013.

 

Am Ende Einsamkeit

Eberesche/Eiche, farbig lasiert; Edelstahl, gelasert, geschraubt, poliert; Stahl, gelasert, geschweißt, geschraubt, geschliffen, klar gelackt; 230x120x60 cm. 2013.

 
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