Installation "Wald des Friedens - Wood of Peace"

The Universal Soldier

 

Das Projekt einer räumlich größer angelegten Installation setzt sich thematisch mit der Problematik des Friedens auseinander, nicht in Form von Gedächtnis und Gedenken, sondern in der Vermittlung von Geschichte und Wirklichkeit, in der Orientierung von Geschichts- und Handlungsbewusstsein. Es soll ein Raum der Reflexion konstituiert werden, in dem der Friede als unverbrüchlicher Bestandteil eines humanen Seins und dessen gerechte Ordnung als Leitmotiv des menschlichen Handelns erfahrbar wird.

 

Historische Anmerkungen zur Installation „Wald des Friedens“

 

Die anvisierte Realisierung des Projekts im Jahre 2018 verbindet sich mit einem historischen Datum: Im November dieses Jahres jährt sich zum hundertsten Mal das Ende des Ersten Weltkriegs, den der amerikanische Diplomat George F. Kennan als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ begriff. Das europäische Staatensystem der damaligen Vorkriegszeit wurde vom Souveränitätsprinzip getragen, das den Krieg als Mittel der Politik ebenso einschloss wie es das Risiko seiner Wahrscheinlichkeit in Kauf nahm. Es fehlte am Willen die Folgen eines Krieges mit der notwendigen Umsicht zu erwägen und daraus die politischen Konsequenzen zu ziehen, d. h. den Frieden zum nicht umkehrbaren Leitmotiv des Handelns zu machen.

 

Die verbreitete Indifferenz gegenüber der Gewalt wurde durch ein Denken befördert, dass den Krieg als grundlegenden Bestandteil des Menschseins begriff, da er vermeintlich der Degeneration vorgriff. Es nimmt nicht Wunder, wenn die europäischen Nationen im August 1914 eine literarische Mobilmachung erlebten. Der deutsche Expressionist Georg Heym klagte schon im Spätsommer 1911 über die banale Zeit, die seinen Enthusiasmus brachliegen ließ, und er hoffte „wenigstens auf einen Krieg“.

 

Nach dem Ausbruch des Krieges wurde der Pazifismus als „gefährliche Friedensschwärmerei“ diffamiert, die auf eine „Entmannung der Völker“ gerichtet war. Die friedliche, wenn auch krisenreiche Vorkriegszeit setzte man mit Erschlaffung, Knechtung, Kranksein und Sittenverfall gleich, während der Krieg als „gesandtes Heil“ begrüßt wurde, das Erlösung, Reinigung, Erhebung und innere Einheit versprach. Es ist, trotz der durchaus vorhandenen Vorbehalte kritisch Distanzierter, von einem beispiellosen Versagen der europäischen Intellektuellen zu sprechen.

The Universal Soldier

Mit dem Krieg ging dessen Ideologisierung einher. Gewalt und Hass wurde als nationaler Existenzkampf und zivilisatorische Abwehr vermittelt. Was die europäische Öffentlichkeit dann aber erfuhr, waren nicht nur die bis dahin unbekannten Formen der Zerstörung, sondern auch eine Industrialisierung der Gewalt und eine Totalisierung des Krieges. Die Wirkungen der technisch-industriellen Zivilisation verwischten die Grenze zwischen militärischem Geschehen und zivilem Leben, der Krieg verlangte eine umfassende Mobilmachung aller gesellschaftlichen Kräfte.

 

Das Grauen der Kriegserfahrungen förderte schon in den letzten Kriegsjahren einen neuen Pazifismus, doch die Forderung des „Nie-Wieder-Krieg“ verblasste rasch angesichts einer europäischen Friedensordnung, die nicht von den Motiven der Versöhnung und des internationalen Ausgleichs getragen wurde. Im Grunde genommen wirkte die Kriegsmentalität nach. Die Teilung Europas in Sieger und Besiegte und die daraus erwachsende ständige Bedrohung des Friedens konnte auch nicht durch die Einrichtung des Völkerbunds ausgeglichen werden. Seiner Aufgabe als konfliktregulierendes Parlament der Nationen sowie als Organ der kollektiven Sicherheit und Abrüstung war diese Institution schon in seiner Anlage nicht gewachsen. Der Völkerbund wurde zum Forum der europäischen Großmächte und ihrer nationalen Interessen.

 

Die Fehlkonstruktion der Friedensordnung steigerte das während des Krieges ohnehin schon erreichte hohe Maß des Nationalismus nochmals und radikalisierte sich zusehends durch die Integration rassistischer Ideologien. Vor allem das nationalsozialistische Deutschland zeigte sich kriegsentschlossen, nicht zum Gewinn einer mitteleuropäischen Hegemonie, die selbst den konservativen Eliten nicht mehr genug war, sondern zur Verwirklichung der rassischen Utopie großgermanischer Herrschaft. Die Triebkraft des Rassischen unterschied den Ersten vom Zweiten Weltkrieg, mit dem die nationalsozialistische Diktatur das alte Europa zerstörte und, wie Friedrich Meinecke umschrieb, die „deutsche Katastrophe“ herbeiführte. Der japanische Nationalismus scheiterte zur gleichen Zeit an seinem imperialistischen Versuch einer „Neuordnung“ Ostasiens. 

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